Börse: Dax schließt kaum verändert, Euro setzt Talfahrt fort
Börse am Abend Dax schließt kaum verändert, Euro setzt Talfahrt fort
Auf und Ab an der Börse: Die wichtigsten Informationen zum Dax, Dow Jones, zu den Aktienkursen und den Ölpreisen
Foto: Westend61 / Getty ImagesNach seinen deutlichen Gewinnen zum Wochenschluss ist der deutsche Aktienmarkt am Montag kaum von der Stelle gekommen. Der Leitindex Dax schaffte nach einem durchwachsenen Handelsverlauf noch ein Plus von 0,09 Prozent auf 25.254 Punkte. Der MDax mit den mittelgroßen deutschen Werten gab um 0,08 Prozent auf 30.427 Zähler nach.
Auf der Hut sind Marktteilnehmer aktuell wegen der hohen Ölpreise und wegen der gestiegenen Anleiherenditen in einigen Ländern Europas, etwa Frankreich. Die politische Unsicherheit in Deutschland, Frankreich und Spanien sorgt für Zurückhaltung. So hat Spaniens linker Regierungschef Pedro Sánchez nach dem Scheitern seiner Dekrete zur Bekämpfung der Wohnungsnot die Flucht nach vorn angetreten und Neuwahlen angekündigt. Der spanische Leitindex IBEX 35 zeigte sich dennoch mit einem Plus von 0,6 Prozent weitgehend stabil. Der Pariser Leitindex Cac 40 erreichte zum Wochenstart hingegen ein Sechs-Monats-Tief.
Der Haushaltsentwurf der französischen Regierung für 2027 hatte vergangene Woche umstrittene Ausgabenkürzungen und Sparmaßnahmen enthalten. Anleger zeigen sich jedoch skeptisch, ob die Regierung ihr Defizit vor den Wahlen 2027 in den Griff bekommt. Dies sorgte dafür, dass die Rendite der zehnjährigen französischen Staatsanleihe in der Nähe ihres höchsten Standes seit 2008 blieb. „Und was wir an den Anleihemärkten sehen, wirkt sich auf den Euro aus“, sagte Kathleen Brooks, Chefanalystin beim Broker XTB.
Am Freitag hatten Dax und EuroStoxx50 noch um je rund ein Prozent zugelegt, nachdem ein Einbruch bei US-Arbeitsmarktzahlen neue Hoffnungen auf eine lockerere Geldpolitik in den USA geschürt hatte.
Alle Indizes, Fonds und Aktien auf einen Blick:
Hier geht es zu unserer Börsenseite
Politische Unsicherheit drückt Euro
Die europäische Gemeinschaftswährung büßte rund ein halbes Prozent auf 1,1205 Dollar ein. Im Januar hatte der Eurokurs zeitweise noch über der Marke von 1,20 Dollar gelegen. Allein seit Ende August beläuft sich das Minus auf rund 30 Prozent. Unter Druck setzte den Euro laut Experten auch die allgemeine politische Unsicherheit in der Region.
„Deutsche Landtagswahlen, die auf einen politischen Umbruch hindeuten, Massenproteste und mögliche Neuwahlen in Spanien, die Zwischenwahlen in den USA und die französischen Wahlen im Frühjahr – im nächsten halben Jahr wird man als Anleger an dem Thema Politik nicht vorbeikommen“, sagte Jochen Stanzl, Chefanalyst der Consorsbank. Dabei sei der Absturz des Euro für den Dax „Segen und Fluch“: Die meisten Unternehmen im Index profitierten zwar durch bessere Exportaussichten von einer Währungsabwertung. Gleichzeitig trage sie jedoch zu einer bereits bestehenden politischen Unsicherheit bei, die internationale Investoren dazu veranlasse, europäische Aktien zu meiden.
Continental, SAP und Fresenius Medical Care führten den Dax mit Zugewinnen von 2,5 und 1,8 Prozent an. Zuvor hatte sich Morgan Stanley für den Reifenhersteller Conti optimistischer gezeigt und votiert mit „Overweight“.
Bei den Einzelwerten zogen die Aktien der Rüstungsfirmen Rheinmetall und Hensoldt zuletzt noch um 0,8 und 1,6 Prozent an. Bundeskanzler Friedrich Merz hat der Ukraine bei einem Überraschungsbesuch am Sonntag ein umfangreiches Hilfspaket angeboten.
Richtungssuche an der Wall Street
An der Wall Street eröffneten die wichtigsten Indizes am Montag kaum verändert. Im Tagesverlauf erreichte der Nasdaq 100 zeitweise ein neues Rekordhoch
Technologiewerte gaben nach ihren Rekordständen nach. Zugleich suchten Anleger nach neuen Hinweisen auf den geldpolitischen Kurs. Die Renditen von US-Staatsanleihen und die Ölpreise lagen weiterhin auf erhöhtem Niveau.
Der S&P 500 stieg nach Handelsbeginn um 6,06 Punkte oder 0,08 Prozent auf 7.729 Punkte. Der Nasdaq legte um 43,06 Punkte oder 0,16 Prozent auf 27.234 Punkte zu. Der Dow Jones Industrial Average gab um 78,27 Punkte oder 0,15 Prozent auf 51.099 Punkte nach.
-
Ausverkauf an den Anleihemärkten: Es riecht förmlich nach Panik Eine Kolumne von Henrik Müller
7 Min
7 Min
Kriegsängste halten Ölpreis hoch
Die Anleger am Ölmarkt zeigen sich zum Wochenstart erneut verunsichert. Die Preise für Nordsee-Rohöl Brent und US-Leichtöl WTI schwankten am Montagvormittag zwischen minus 2 und plus einem Prozent. Zuletzt legte Brent leicht auf 102,52 Dollar je Fass (159 Liter) zu, während WTI um knapp ein halbes Prozent auf 90,83 Dollar nachgab. Nach unten drückten die Preise steigende Nahost-Exporte und die vergangene Woche beschlossene Freigabe von Ölreserven durch die G7-Staaten. Sorgen über anhaltende Lieferausfälle im Zuge des Iran-Konflikts begrenzten jedoch die Verluste.
Am Wochenende hatten unterdessen wichtige Ölexportländer des Verbunds Opec+ bekannt gegeben, dass sie ihre Förderziele auch im November nicht anheben wollen. Das teilten Saudi-Arabien, Russland und weitere fünf Staaten nach einer Online-Sitzung mit. Somit bleiben die Produktionslimits der Gruppe den zweiten Monat in Folge unverändert.
Saudi-Arabien senkte am Wochenende angesichts steigender Liefermengen überraschend die Preise für seine wichtigste Ölsorte für Kunden in Asien. Der staatliche saudische Ölkonzern Saudi Aramco reduzierte den Preis für die Sorte Arab Light für asiatische Kunden in diesem Monat. Dieser liegt nun fünf US-Dollar unter dem Preis der regionalen Referenzsorte. Das ist der niedrigste Stand seit 2020. Die Entscheidung widersprach den Erwartungen von Händlern und Raffinerien, die mit einer Anhebung um fünf US-Dollar gerechnet hatten.
Inzwischen haben die Schiffsbewegungen in der Region wieder zugenommen. Die Risiken für die Schifffahrt bleiben angesichts mehrerer Angriffe in den vergangenen Tagen jedoch hoch. Die britische Schifffahrtsbehörde UK Maritime Trade Operations meldete einen Zwischenfall am 4. Oktober in der Straße von Hormus. Ein weiterer Zwischenfall wurde vor der jemenitischen Stadt Al-Mukha im Roten Meer gemeldet.
„Pipeline-, Raffinerie- und Verladeinfrastruktur bleibt anfällig für Angriffe der Huthi“, sagte June Goh, leitende Ölmarktanalystin beim Rohstoffdatenanbieter Sparta Commodities, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Dies dürfte es Saudi-Arabien erschweren, die Förderung auf hohem Niveau zu halten und den Markt über das Rote Meer zu versorgen.
