Dax, Dow Jones und Nasdaq mit Gewinnen nach schwachem US-Jobmarkt Bericht
Börse am Abend Dax erholt sich, Nasdaq steigt auf Rekordhoch
Auf und Ab an der Börse: Die wichtigsten Informationen zum Dax, Dow Jones, zu den Aktienkursen und den Ölpreisen
Foto: Westend61 / Getty ImagesKursgewinne an den Börsen: Fallende Energiepreise und eine leichte Stabilisierung der Bond-Renditen haben den Dax-Anlegern zum Wochenschluss Mut gemacht. Der deutsche Leitindex Dax eroberte die psychologisch wichtige 25.000-Punkte-Marke zurück und beendete den Xetra-Handel (17.30 Uhr) 1,2 Prozent höher bei 25.231 Zählern.
In den USA notierten Dow Jones und Nasdaq 100 am Abend mit deutlichen Gewinnen, da der US-Arbeitsmarktbericht für September enttäuschend ausgefallen war. US-Unternehmen haben im September lediglich 29.000 neue Jobs geschaffen statt der erwarteten 90.000 Jobs. Die schwachen Zahlen engen den Spielraum der US-Notenbank Fed, die Zinsen im Oktober abermals zu erhöhen, deutlich ein. Eine Zinspause käme Börsenanlegern gelegen: Der Techindex Nasdaq 100 erreichte am Freitag zeitweise sogar ein Rekordhoch.
Auch bei der EZB gehen die Anleger bislang von einer Zinserhöhung aus. Die hohen Energiepreise haben die Inflationsrate im Euroraum auf den höchsten Stand seit drei Jahren getrieben. Die EZB hatte bereits im Juni und September reagiert und den Leitzins auf aktuell 2,50 Prozent angehoben.
Leichte Beruhigung am Bondmarkt
Am Anleihemarkt beruhigte sich die Lage nach dem Ausverkauf der letzten Tage etwas. Französische Staatsbonds hatten es jedoch weiter schwer, Fuß zu fassen. Die Renditedifferenz (Spread) zu den zehnjährigen Bundespapieren weitete sich auf rund 150 Basispunkte aus. Dies ist der höchste Stand seit der Staatsschuldenkrise der Euro-Zone im Jahr 2012 . Der Spread spiegelt die Risikoprämie wider, die Anleger für das Halten französischer Schuldtitel fordern. „Der gestern vorgestellte Haushaltsentwurf in Frankreich für das Jahr 2027 brachte keine Entlastung an den Märkten, zumal auch völlig unklar ist, ob sich eine politische Mehrheit für den Haushalt finden lässt“, resümierten die Analysten der Helaba.
Die französische Regierung will mit einem harten Sparkurs das Haushaltsdefizit von 5,4 Prozent der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr auf fünf Prozent 2027 senken. Die Rendite der zehnjährigen französischen Staatsanleihen hatte am Donnerstag mit 4,9629 Prozent den höchsten Stand seit 2002 erreicht – auch zum Wochenschluss lag die Verzinsung nur knapp darunter. Der Euro verlor auf Wochensicht gut 1,3 Prozent. Er notierte am Freitag bei 1,1229 Dollar.
Adidas und Puma machen Verluste wieder wett – trotz des Absturzes von Nike
Auf der Unternehmensseite ragten die Technologieaktien heraus. Der europäische Branchenindex gewann 2,3 Prozent, im Dax setzte sich Infineon mit einem Kursplus von mehr als 5 Prozent an die Spitze des Leitindex. Die Papiere von Aixtron und Suss Microtec rückten um jeweils rund 4 Prozent vor.
Bergab ging es dagegen mit den Papieren der Commerzbank, sie verloren im Dax 1,7 Prozent. Die Analysten der RBC stuften die Titel auf „Sector Perform“ von „Outperform“ herunter. Als Grund nannten die Experten Unsicherheiten im Zusammenhang mit den Übernahmeplänen der UniCredit.
Die Aktien von Adidas und Puma, die infolge schwacher Zahlen des US-Konkurrenten Nike zunächst gefallen waren, machten im Handelsverlauf ihre Verluste wieder weg und drehten ins Plus. Die Probleme bei Nike seien hausgemacht, hieß es.
KI-Aktien gefragt
Eine Stütze für den Dax waren erneut Aktien mit KI-Fantasie, darunter die Index-Spitzenreiter Infineon, Siemens Energy und Hochtief mit Anstiegen zwischen 1,6 und 2,6 Prozent. Gesprächsstoff lieferte eine Spekulation, wonach der US-Chipkonzern Broadcom mit einem Konsortium an der Beschaffung von 60 Milliarden US-Dollar arbeitet. Angenommen wird, dass diese dann Branchenunternehmen wie dem KI-Plattformbetreiber Anthropic zufließen werden.
Im MDax ging es für Infineon-Branchenkollege Elmos um 3,8 Prozent hoch. Die Aktien der Chipindustrie-Zulieferer Aixtron, Siltronic, Suss Microtec und Jenoptik legten um 5,9 bis 7,6 Prozent zu. Der Laserspezialist LPKF – am Mittwoch noch von einer Prognosesenkung ausgebremst – gewann an der SDax-Spitze knapp 6 Prozent.
US-Börsen mit Gewinnen, Nasdaq auf Rekordhoch
Am US-Aktienmarkt ist der Nasdaq 100 am Freitag in Folge schwacher Jobdaten auf ein Rekordhoch gestiegen. Im Dow Jones Industrial ging es ebenfalls kräftig aufwärts. Zuletzt notierte der Nasdaq 100 bei 30.842 Punkten, womit er seinen Höchststand in der Vorwoche bei 30.770 Zählern übertrumpfte.
Die US-Arbeitsmarktdaten hellten die Stimmung weiter auf. „Der Arbeitsmarktbericht enttäuscht angesichts der positiven Indikationen, die es vonseiten der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, des ADP-Reports oder des ISM-Beschäftigungsindexes gegeben hatte“, schrieb Ulrich Wortberg von Helaba Research. Am Aktienmarkt kommt dies positiv an, weil es die Zinssorgen der Anleger dämpft.
Nike bricht ein
Unter den Einzelwerten klar im Fokus stehen die Aktien von Nike, die zuletzt nach einem schwachen Geschäftsausblick noch 8 Prozent verloren. Zwischenzeitlich lagen sie auf dem tiefsten Stand seit 13 Jahren. Im bisherigen Jahresverlauf ist das Unternehmen mit einem Kursminus von 45 Prozent ohnehin bereits abgeschlagenes Dow-Schlusslicht.
Deutlich aufwärts geht es für die Aktien von ON Semiconductor mit plus 8 Prozent und Synaptics mit 15 Prozent. ON will seine im Sommer bekannt gegebene Übernahme nun nicht mehr mit eigenen Aktien sondern bar bezahlen, womit er für den Spezialisten für Leistungshalbleiter billiger wird.
Klar abwärts geht es dagegen für die Aktien der Festplattenhersteller Western Digital und Seagate nach einem Bericht der japanischen Zeitung Nikkei. Demnach will der Konkurrent Toshiba massiv in den Ausbau von Produktionskapazitäten für Hard Disks investieren. Dies wirft Seagate-Aktien um 12 Prozent und Western Digital um 9 Prozent zurück.
Brent-Ölpreis fällt deutlich – Freigabe der Reserven?
Seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar haben Versorgungsängste die Energiepreise massiv in die Höhe getrieben. Am Freitag ging es allerdings abwärts: Das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI verbilligten sich in der Spitze um 3,3 und 4,4 Prozent auf 98,92 beziehungsweise 88,83 Dollar je Fass. Die EU-Staaten haben Insidern zufolge über einen französischen Vorschlag zur Freigabe zusätzlicher Dieselreserven beraten. Damit reagieren die EU-Länder auf Druck aus den USA, das Angebot zu erhöhen und so die gestiegenen Kraftstoffpreise zu senken.
Zuvor hatte die US-Regierung unter Präsident Donald Trump die Europäische Union dazu gedrängt, Dieselreserven freizugeben. Mit einer solchen Maßnahme könnten mögliche US-amerikanische Exportbeschränkungen abgewendet werden. Finanzminister Scott Bessent appellierte an die europäischen Partner, zur Linderung der weltweiten Knappheit beizutragen.
Der Iran-Krieg und die damit verbundene Blockade von Öllieferungen aus den Fördergebieten am Persischen Golf durch die Straße von Hormus haben die Ölpreise in den vergangenen Monaten immer wieder angetrieben. Seit Beginn des Jahres hat sich Rohöl der Sorte Brent mehr als 60 Prozent verteuert, was mittlerweile zu einem deutlichen Anstieg der Inflation geführt hat und Notenbanken zunehmend zu Zinserhöhungen zwingt.
